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Zum
Buch
Die
Hebamme Angela Gehrke da Silva hat viele Jahre in Monte Azul aufopfernd
und selbstlos für eine menschenwürdige Medizin gekämpft.
In ihrem bewegenden Lebensbericht schildert die Autorin Höhen und
Tiefen ihres Alltags unter den Ärmsten in Brasilien.
Aus
dem Inhalt
Ein Geburtshaus in Monte Azul, in dem Eltern und Kinder
eine sanfte, natürliche Geburt erleben dürfen – angesichts der
Verhältnisse, die in Brasilien als normal gelten, muss dies als
eine unerreichbare Utopie erscheinen.
Angela Gehrke da Silva ist es nach jahrelanger harter Arbeit und
unter denkbar schwierigsten Bedingungen gelungen, ein solches
Geburtshaus aufzubauen. Zahllosen Menschen hat sie ohne Rücksicht
auf sich selbst geholfen. Dabei ging ihr Einsatz weit über die
Aufgaben einer Hebamme hinaus, und das nicht nur auf medizinischem
Gebiet. Egal um was für Probleme es sich handelte, Angela Gehrke
war ein helfender Engel nicht nur der Frauen in Monte Azul.
Bald schon erregte ihre in Brasilien völlig ungewohnte Methode
der Geburtshilfe und deren offensichtlicher Erfolg großes Aufsehen.
Doch auf dem Höhepunkt ihrer Arbeit, kurz nach der Eröffnung des
Geburtshauses, beginnt für Angela Gehrke ein neuer Kampf: gegen
die brasilianische Bürokratie und gegen eine lebensbedrohende
Krankheit.
»Kippen Väter wirklich um?
Für die brasilianischen Männer ist es gar nicht so leicht, sich
einen Platz in der Nähe ihrer neugeborenen Kinder zu erobern.
Die Welt der kleinsten Erdenbürger wird zunächst von Kinderarzt,
Krankenschwester, dann von Mutter, Tante, Oma, Patentante und
Nachbarin dominiert. Wenn ich öffentlich dafür kämpfe, dass die
Kreißsäle für die Väter geöffnet werden sollen, werde ich immer
mit dem Argument abgespeist: 'Wir haben schon nicht genügend Personal,
um die Frauen zu betreuen, wo sollen wir denn all die ohnmächtigen
Männer hinlegen?' Ich kann dazu nur sagen, bei mir ist noch nie
ein werdender Vater umgekippt.
Außer
diesem Vorurteil gibt es noch viele andere. Die meisten frisch
entbundenen Frauen bekommen schreckensweite Augen, wenn ich, sobald
die Babybadewanne voll ist, den Vater auffordere, die Ärmel hochzukrempeln.
Sobald ich dem überrumpelten Mann das Kind vorsichtig in die Hand
gelegt habe, sagen die Frauen: 'Vorsicht, ertränk mein Kind nicht!',
während sich die verschreckten Männer mit Argumenten wie 'Ich
habe so große, harte Hände, wie soll ich da ein Kind halten?'
aus der Affäre ziehen wollen. Wenn der stolze, glückliche Vater
sein Kind dann aber erst einmal sicher auf dem Badetuch abgelegt
hat, strahlt er aus allen Knopflöchern …«
Über
die Autorin
Angela Gehrke da Silva (1956 – 2000) kam durch ihre Eltern, die
beide Ärzte waren, schon früh mit der Medizin in Berührung. Nach
ihrer Ausbildung zur Hebamme setzte sie sich, angeregt durch ihren
Lehrer Frederic Léboyér, für eine natürliche und sanfte Geburtshilfe
ein.
Doch schon bald suchte sie sich eine neue Herausforderung: Mit
ihrer Arbeit in der Favela Monte Azul in São Paulo bereitete sie
nicht nur unzähligen Kindern einen liebevollen Empfang, sondern
weckte auch das Interesse vieler brasilianischer Geburtshelfer
an der Methode Frederic Léboyérs. Angela Gehrke starb im Alter
von 44 Jahren an Krebs.
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