Als Hebamme in Brasilien

Der bewegende Bericht
von Angela Gehrke da Silva
über ihre Arbeit in Monte Azul

 

"Das abenteuerliche Leben einer mutigen Frau"
288 Seiten, kartoniert, mit ca. 30 Fotos

ISBN: 3-8251-7418-2

Zum Buch
Die Hebamme Angela Gehrke da Silva hat viele Jahre in Monte Azul aufopfernd und selbstlos für eine menschenwürdige Medizin gekämpft.
In ihrem bewegenden Lebensbericht schildert die Autorin Höhen und Tiefen ihres Alltags unter den Ärmsten in Brasilien.

Aus dem Inhalt
Ein Geburtshaus in Monte Azul, in dem Eltern und Kinder eine sanfte, natürliche Geburt erleben dürfen – angesichts der Verhältnisse, die in Brasilien als normal gelten, muss dies als eine unerreichbare Utopie erscheinen.
Angela Gehrke da Silva ist es nach jahrelanger harter Arbeit und unter denkbar schwierigsten Bedingungen gelungen, ein solches Geburtshaus aufzubauen. Zahllosen Menschen hat sie ohne Rücksicht auf sich selbst geholfen. Dabei ging ihr Einsatz weit über die Aufgaben einer Hebamme hinaus, und das nicht nur auf medizinischem Gebiet. Egal um was für Probleme es sich handelte, Angela Gehrke war ein helfender Engel nicht nur der Frauen in Monte Azul.

Bald schon erregte ihre in Brasilien völlig ungewohnte Methode der Geburtshilfe und deren offensichtlicher Erfolg großes Aufsehen. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Arbeit, kurz nach der Eröffnung des Geburtshauses, beginnt für Angela Gehrke ein neuer Kampf: gegen die brasilianische Bürokratie und gegen eine lebensbedrohende Krankheit.


»Kippen Väter wirklich um?

Für die brasilianischen Männer ist es gar nicht so leicht, sich einen Platz in der Nähe ihrer neugeborenen Kinder zu erobern. Die Welt der kleinsten Erdenbürger wird zunächst von Kinderarzt, Krankenschwester, dann von Mutter, Tante, Oma, Patentante und Nachbarin dominiert. Wenn ich öffentlich dafür kämpfe, dass die Kreißsäle für die Väter geöffnet werden sollen, werde ich immer mit dem Argument abgespeist: 'Wir haben schon nicht genügend Personal, um die Frauen zu betreuen, wo sollen wir denn all die ohnmächtigen Männer hinlegen?' Ich kann dazu nur sagen, bei mir ist noch nie ein werdender Vater umgekippt.

Außer diesem Vorurteil gibt es noch viele andere. Die meisten frisch entbundenen Frauen bekommen schreckensweite Augen, wenn ich, sobald die Babybadewanne voll ist, den Vater auffordere, die Ärmel hochzukrempeln. Sobald ich dem überrumpelten Mann das Kind vorsichtig in die Hand gelegt habe, sagen die Frauen: 'Vorsicht, ertränk mein Kind nicht!', während sich die verschreckten Männer mit Argumenten wie 'Ich habe so große, harte Hände, wie soll ich da ein Kind halten?' aus der Affäre ziehen wollen. Wenn der stolze, glückliche Vater sein Kind dann aber erst einmal sicher auf dem Badetuch abgelegt hat, strahlt er aus allen Knopflöchern …«

Über die Autorin
Angela Gehrke da Silva (1956 – 2000) kam durch ihre Eltern, die beide Ärzte waren, schon früh mit der Medizin in Berührung. Nach ihrer Ausbildung zur Hebamme setzte sie sich, angeregt durch ihren Lehrer Frederic Léboyér, für eine natürliche und sanfte Geburtshilfe ein.
Doch schon bald suchte sie sich eine neue Herausforderung: Mit ihrer Arbeit in der Favela Monte Azul in São Paulo bereitete sie nicht nur unzähligen Kindern einen liebevollen Empfang, sondern weckte auch das Interesse vieler brasilianischer Geburtshelfer an der Methode Frederic Léboyérs. Angela Gehrke starb im Alter von 44 Jahren an Krebs.

 

 

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